| Aquaterrarien
Haltungsbedingungen |
In den letzten Jahren sind wir mit der Nachzucht von Sternotherus odoratus (Gewöhnliche Moschusschildkröte) sehr erfolgreich gewesen und haben nun auch erste Nachzuchterfolge bei Chinemys reevesii und Chrysemys picta belli. Dies führen wir nicht zuletzt auf eine artgerechte und sauberkeitsbetonte Haltung zurück. Auf dieser Seite möchten wir anderen Schildkrötenhaltern über unsere Erfahrungen berichten. Wenn Sie uns Ihre Erfahrungen mitteilen möchten, senden Sie uns bitte eine e-Mail.

Das Landteil im 120er-Becken ist auf Stützen (dünne
Plastikrohre für E-Installation) angebracht und über Eck mit
den Scheiben verklebt (Aquariensilikon!). Zum Erreichen dient eine weit
ins Wasser reichende Rampe aus aquariengeeignetem, wasserfestem Schaumstoff.
Eine dicke Korkrinde dient für zusätzliche Sitzmöglichkeiten.
Die anderen beiden Becken verfügen jeweils über ein tiefes
Landteil
für Schildkröten, die öfter das Land aufsuchen und dort
auch graben. Eine geneigt eingeklebte Glasscheibe (Aquariensilikon!) trennt
Wasser und Landteil, das mit Erde und Rindenmulch gefüllt ist und
ca. ein Viertel der Beckenfläche einnimmt. Mit Aquariensilikon aufgeklebte
kleine Steine auf der Glasscheibe erlauben den Tieren das leichte Erklettern
der Landteils. Die Glaskante ist mit aufgeschnittenen Schläuchen geschützt,
um die Tiere vor Verletzungen am Bauchpanzer zu schützen. Eine geeignet
geformte große Moorkienwurzel, die am Boden aufliegt, erlaubt zusätzlich
das Erklettern des Landteils.
In unseren Becken dient Javamoos als Wasserpflanze zur Verbesserung der Wasserqualität und als zusätzliche Versteckmöglichkeit. Der Bodengrund besteht aus einer ca. 2 cm dicken Sand- und Kieselschicht. Zwei bis drei halbierte Blumentöpfe bieten gute, leicht zu reinigende Möglichkeiten zum Unterschlupf. Die Töpfe können von den Tiere bestenfalls verschoben, aber nicht umgeworfen werden (das Halbieren gelingt leicht mit einer elektrischen Stichsäge mit Spezialsägeblatt für Fliesen und Keramik; ganze Blumentöpfe sind ungeeignet). Die Abdeckung der Becken erfolgt mit einfachen Glasscheiben. Zur Beleuchtung dienen darüber aufgehängte Leuchtstoffröhren. Wärmelampen über den Korkstücken geben zusätzliche gezielte Wärme.
Die Heizung erfolgt mit Heizkabeln, die unter den Becken auf der Styroporunterlage aufgelegt sind und mit Thermostat gesteuert werden. Heizung und Beleuchtung sind über Schaltuhren gesteuert. Die Beleuchtungsdauer versuchen wir grob der Tageslichtlänge anzupassen.
Die Schildkröten sind mit Guppys und Welsen vergesellschaftet. Dies hat den Vorteil, daß kleine Futterteile, die die Schildkröten nicht mehr wahrnehmen, von den Guppys noch gefressen werden, wodurch die Verschmutzung der Becken vermindert wird. Die Welse vermindern den Algenbefall. Guppys und Welse vermehren sich seit vielen Jahren weitgehend ungestört in allen Becken. Die Schildkröten können die Guppys nur in Ausnahmefällen erjagen, eine gegenseitige Streßsituation ist nicht erkennbar. Welse werden von den Schildkröten nicht belästigt.
Die folgenden Abbildungen zeigen unser 120er- und unser 100er-Becken. Links ist der angehobene, flache Landteil mit der Rampe erkennbar, rechts der tiefe Landteil hinter einer eingeklebten Glasscheibe.


Die folgenden Abbildungen zeigen den Aufbau und das Filtermaterial unserer
(älteren) Eheim-Filter. Daneben verwenden wir auch die neuen eckigen
Modelle von Eheim, die wesentlich leichter in der Handhabung sind.
Filtermaterial:
Tonröllchen, Muschelschalen, Filterkissen
Filterfüllung: Tonröllchen und Muscheln nach unten
Filterfüllung: Filterwatte und Abdeckung obenauf
Zur Überwinterung unserer Schildkröten verwenden wir Behälter, die wir zu etwa 2/3 mit einer Mischung aus Rindenmulch und Erde füllen. Auf ausreichende Feuchtigkeit ist zu achten. Die Behälter sind gut verschließbar, wobei wir ein mit Fliegendraht verschlossenes Luftloch im Deckel von etwa 5 cm Durchmesser vorgesehen haben (als Behälter kommen z.B. 5 bis 10 l-Eimer mit Deckel, Haushaltsboxen mit Deckel usw. in Frage).
Die Tiere werden im November oder Dezember in die Behälter gesetzt und über 2 bis 3 Tage an die tieferen Temperaturen gewöhnt. Meistens haben sie sich derweil bereits vergraben. Zuletzt werden die Behälter in Kellerregale gestellt. Die Temperatur in unserem hierfür verwendeten Kellerraum schwankt zwischen 6 bis 7°C bei starkem Frost bis zu 12 bis 14°C in wärmeren Perioden und ist recht stabil. Kontrollen der Tiere führen wir alle 2 bis 4 Wochen durch (Wiegen der Tiere, Anfeuchten des Substrats usw.). Beim Beenden des Winterschlafs im März stellen wir die Behälter schrittweise wärmer.
Alle Überwinterungen sind bisher problemlos verlaufen. Zum Teil ist kein oder nur ein vernachlässigbarer Gewichtsverlust aufgetreten, in einigen Fällen haben die Tiere weniger als 10 % ihres Körpergewichts (zu Beginn des Winterschlafs) verloren. Die Tiere kamen immer sofort wieder mit dem normalen Wasserstand zurecht, haben innerhalb weniger Tage wieder Futter angenommen und waren lebhaft.
In den ersten Jahren unserer Haltung haben wir auch unsere adulten Tiere
nicht überwintert, sondern lediglich durch Abschalten der Heizung
(Abkühlen des Wassers auf Raumtemperatur), verminderte Futtermenge
und kürzere Beleuchtung eine gewisse Winterruhe herbeigeführt.
Soweit wir beobachten konnten, hat dies beiden Arten nicht geschadet oder
die Tiere im Frühjahr beeinträchtigt.
Die von uns gewählte Einrichtung der Becken hat den Vorteil, daß sie sehr leicht zu reinigen ist. Außerdem können im Bedarfsfall Einrichtungsteile leicht in ein anderes Becken gebracht werden, oder es kann schnell ein zusätzliches Becken in Betrieb genommen werden. Sand und feiner Kies als Bodengrund hat sich bewährt, da er sich leicht und problemlos vollständig wechseln läßt (z.B. einmal im Jahr im Frühjahr). Beim Wasser- und Filterwechsel etwa einmal pro Monat werden alle Teile entnommen und gereinigt und das Wasser zu mehr als 90% ausgetauscht.