| Gelege und Nachzuchten
von Sternotherus odoratus (Kinosternon odoratum) |
Auch nachdem eine geeignete Ablagemöglichkeit zur Verfügung steht, kann es noch einige Tage dauern, bis das Weibchen die Eier tatsächlich ablegt. Zuvor gräbt das Tier jedoch einige Male probeweise. Um schnell beurteilen zu können, ob es dabei zu einer Eiablage gekommen ist, genügt es, das Weibchen zu wiegen, wobei das Gewicht vor der Eiablage natürlich bekannt gewesen sein muß. Bei einer ungefähren Masse von 4 g pro Ei muß also eine Gewichtsdifferenz von mehr als 10 g feststellbar sein, um auf eine Eiablage zu schließen. Auf diese Weise erspart man sich das häufige Nachgraben um den Eiablageplatz.
Ist die Eiablage erfolgt, sollten die Eier möglichst bald in ein
geeigneteres Substrat überführt werden, zumal am Eiablageplatz
meist nicht die nötige Feuchtigkeit und Temperatur herrscht. Wir entfernen
dann unseren Eiablagebehälter aus dem Becken und entfernen vorsichtig
die Erde Schicht für Schicht. Werden die Eier in der Erde gefunden,
wird jeweils die Lage durch einen Strich markiert (die Eier dürfen
nicht mehr um ihre Längsachse gedreht werden) und das Datum vermerkt.
Hierzu eignet sich ein wasserfester Filzschreiber besser als ein Bleistift.
Anschließend werden die Eier vorsichtig aus der Erde entnommen und
ausgebrütet. Sie zeigen meist schon die charakteristische geschlossene
weiße "Binde" um die Mitte.
Diese
Abbildung zeigt die Anzahl der Gelege pro Jahr von 3 unserer Weibchen von
Sternotherus odoratus. Die mittlere Anzahl liegt bei etwa 3 Gelegen pro
Jahr, man erkennt allerdings, daß erhebliche Schwankungen möglich
sind. In einem Jahr legte das größere Weibchen sogar 6 Gelege
mit zusammen 24 Eiern ab.
In
Ergänzung zur Gelegezahl pro Jahr zeigt diese Abbildung die Anzahl
der Eier pro Gelege und die zeitliche Verteilung der Gelege über das
Jahr. Auffallend sind die gleichmäßigen Abstände zwischen
den Gelegen, die bei ziemlich genau 4 Wochen liegen. Man erkennt ferner,
daß das kleinere Weibchen (blau dargestellt) im Durchschnitt 2 Eier
pro Gelege absetzt, das schwerere Weibchen (rot dargestellt) dagegen im
Mittel eher 4, bisher jedoch nie mehr als 6 Eier pro Gelege. Die Legezeit
fällt meist in den Zeitraum von Mai bis August.
Die Eiablage erfolgt bei unseren Tieren in regelmäßigen Abständen
von jeweils etwa einem Monat. Die folgende Abbildung zeigt den zeitlichen
Verlauf für unser ältestes Weibchen : Der schwarze Balken zeigt,
wie lange sich der Winterschlaf ins jeweilige Jahr erstreckte (fehlt 1993
und 1994, wo dieses Tier keinen Winterschlaf hielt). Der folgende weiße
Balken bezeichnet den Abstand zwischen dem Ende des Winterschlafs und dem
ersten Gelege. Die folgenden abwechselnd dunklen und hellen Balken geben
die Abstände zwischen den einzelnen Gelegen an. Alle Zahlen geben
die Anzahl der Tage an. Das erste Gelege wird relativ konstant jeweils
Mitte April abgesetzt, die folgenden Gelege im Abstand von jeweils 22 bis
40 Tagen. Ausnahmen bilden das Jahr 1993, wo das Tier erstmals legte, und
1996, wo das erste Gelege erst im Sommer abgesetzt wurde, was vermutlich
an der hohen Gelegezahl im Vorjahr liegt.
Das Brutbecken ist bei uns nicht aufwendig gestaltet, und wir verwenden auch keine "Kunstglucke" oder andere Brutapparate. Statt dessen besteht unser Brutbecken aus einem handelsüblichen kleinen Aquarium (z.B. 20 x 30 x 30 cm³), in dem ein Wasserstand von einigen cm eingestellt wird. Die Kunststoffschalen mit dem Vermiculit und den Eiern sollen hierin gerade schwimmen und werden durch untergelegte Gegenstände (z.B. einige Saugnäpfe) fixiert. Das Aquarium wird mit einer Glasscheibe fast vollständig abgedeckt, so daß sich eine hohe Luftfeuchte einstellen kann. Unter das Becken kommt eine Heizmatte (6 bis 10 W sind ausreichend). Im Wasser stellt sich so eine Temperatur von 25 bis 30 °C ein, die auch schnell das Vermiculit und die Eier annehmen. Das Wasser verdunstet fast nicht und führt auch über Wochen nicht zu Schimmelbildung. Das Vermiculit trocknet durch die hohe Luftfeuchte nicht aus. So können wir in kleinen Brutbecken dieser Art ohne jeden Aufwand jeweils bis zu etwa 15 Eiern ausbrüten. Die einfache Konstruktion hat zudem den großen Vorteil, daß sie einfach und gründlich zu reinigen ist. Einen Thermostat halten wir für überflüssig, da dies nicht mit den natürlichen Gegebenheiten übereinstimmt. Durch eine Schaltuhr, die die Heizmatte steuert, kann leicht auch Nachtabsenkung eingestellt werden.
Diese
Grafik zeigt die jeweilige Anzahl von Eier in Abhängigkeit der zugehörigen
Brutdauern. Man erkennt, daß bei den von uns gewählten Bruttemperaturen
die häufigste Brutdauer im Bereich von ca. 76 bis 88 Tagen liegt.
Interessant ist daneben auch die separate Auftragung für die weiblichen
und männlichen Nachzuchten: Die Entwicklung zu Weibchen ist eindeutig
mit kürzeren Brutzeiten und damit im Mittel höheren Bruttemperaturen
verknüpft, die Entwicklung zu Männchen umgekehrt mit längeren
Brutzeiten und niedrigeren Temperaturen. Das Geschlecht läßt
sich allerdings erst frühestens nach einem Jahr bestimmen, so daß
wir das Geschlecht nicht für allen Nachzuchten angeben können.
Der Schlupf, gerechnet vom ersten Loch in der Schale, dauert meist ein
bis zwei Tage. Der Schlüpfling gräbt sich entweder im Vermiculit
ein oder klettert über den Rand der Kunststoffschale ins Wasser. Dies
ist ein weiterer Vorteil dieses einfachen Brutapparates: Der Schlüpfling
kann direkt in seichtes Wasser gelangen und dort die ersten Lebensstunden
verbringen. Zur weiteren Aufzucht werden die Schlüpflinge nun dem
Brutbecken entnommen und in ein kleines Becken mit sehr niedrigem Wasserstand
gesetzt.
Nach wenigen Tagen wird der anfänglich sehr niedrige Wasserstand schrittweise erhöht, so daß die Tiere zum Luftholen meistens schwimmen müssen. Dies hat dazu geführt, daß sich unsere Tiere zu guten Schwimmern entwickelt haben. In der Größe angepaßte Steine dienen als Sitzmöglichkeit knapp unter Wasser, da Jungtiere das Wasser nicht verlassen. Kleine halbierte Blumentöpfe aus Ton bilden schnell herstellbare, leicht zu säubernde und hygienische Unterschlupfe.
Es ist darauf zu achten, daß die Schlüpflinge sich nirgendwo einklemmen oder verhaken können. Deshalb plazieren wir alle Sitzsteine, Unterschlupfe, Thermometer usw. mit ausreichendem Abstand voneinander und zum Beckenrand. Wasserpflanzen, Fische oder andere, größere Schildkröten halten wir für die Becken von Schlüpflingen für ungeeignet.
Im Alter von wenigen Wochen setzen wir die Schlüpflinge in größere Aquarien (60 x 30 cm) um. Der Wasserstand beträgt dann ca. 15 cm.