Gelege und Nachzuchten
von Sternotherus odoratus (Kinosternon odoratum)
In den letzten Jahren sind wir mit der Nachzucht von Sternotherus odoratus (Gewöhnliche Moschusschildkröte) sehr erfolgreich gewesen. Von den im Terrarium abgelegten sowie von den rechtzeitig im Freiland gefundenen Gelegen erhielten wir einen nahezu 100%igen Schlupferfolg; dies gilt auch für das allererste Gelege! Mehr als 95% der Schlüpflinge haben das erste Jahr überlebt. Dies führen wir neben guten Haltungsbedinungen für Eltern- und Jungtiere natürlich auch auf eine gute Vorgehensweise beim Ausbrüten der Eier und der Pflege der Schlüpflinge zurück. Wir setzen hierbei konsequent auf einfache Lösungen.
Mittlerweile


Paarung - Eiablage - Ausbrüten der Eier - Schlupf - Pflege der Schlüpflinge - Futter

Paarung

Paarungen haben wir während der ganzen aktiven Phase der Elterntiere sowohl im Terrarium als auch im Gartenteich beobachtet. Die Aktivität der Männchen scheint hierbei nicht auf eine bestimmte Jahreszeit beschränkt zu sein.

Eiablage

Die Angabe einer typischen Zeit zwischen Paarung und Eiablage ist nur sehr schwer möglich, da die weiblichen Tiere den Samen des Männchens zu speichern vermögen. Die bevorstehende Eiablage zeigt das Weibchen durch längere Landgänge, probeweises Graben, aufmerksame Beobachtung der Umgebung, Freßunlust usw. an. Während sich das Tier im Freiland eine geeignete Legestelle zu suchen vermag, hängen wir einen Legeplatz ins Becken ein, wenn sich das Tier noch nicht im Freiland befindet. Hierzu eignet sich z.B. ein ausreichend großer Kunststoffbehälter, der mit einem Erde-Sand-Gemisch gefüllt wird. Das Weibchen sollte sich auf der Oberfläche bequem umdrehen können und die Tiefe sollte zum völligen Vergraben ausreichen, da die Weibchen manchmal einige Zeit vor der Eiablage vergraben zubringen.

Auch nachdem eine geeignete Ablagemöglichkeit zur Verfügung steht, kann es noch einige Tage dauern, bis das Weibchen die Eier tatsächlich ablegt. Zuvor gräbt das Tier jedoch einige Male probeweise. Um schnell beurteilen zu können, ob es dabei zu einer Eiablage gekommen ist, genügt es, das Weibchen zu wiegen, wobei das Gewicht vor der Eiablage natürlich bekannt gewesen sein muß. Bei einer ungefähren Masse von 4 g pro Ei muß also eine Gewichtsdifferenz von mehr als 10 g feststellbar sein, um auf eine Eiablage zu schließen. Auf diese Weise erspart man sich das häufige Nachgraben um den Eiablageplatz.

Ist die Eiablage erfolgt, sollten die Eier möglichst bald in ein geeigneteres Substrat überführt werden, zumal am Eiablageplatz meist nicht die nötige Feuchtigkeit und Temperatur herrscht. Wir entfernen dann unseren Eiablagebehälter aus dem Becken und entfernen vorsichtig die Erde Schicht für Schicht. Werden die Eier in der Erde gefunden, wird jeweils die Lage durch einen Strich markiert (die Eier dürfen nicht mehr um ihre Längsachse gedreht werden) und das Datum vermerkt. Hierzu eignet sich ein wasserfester Filzschreiber besser als ein Bleistift. Anschließend werden die Eier vorsichtig aus der Erde entnommen und ausgebrütet. Sie zeigen meist schon die charakteristische geschlossene weiße "Binde" um die Mitte.

Diese Abbildung zeigt die Anzahl der Gelege pro Jahr von 3 unserer Weibchen von Sternotherus odoratus. Die mittlere Anzahl liegt bei etwa 3 Gelegen pro Jahr, man erkennt allerdings, daß erhebliche Schwankungen möglich sind. In einem Jahr legte das größere Weibchen sogar 6 Gelege mit zusammen 24 Eiern ab.

In Ergänzung zur Gelegezahl pro Jahr zeigt diese Abbildung die Anzahl der Eier pro Gelege und die zeitliche Verteilung der Gelege über das Jahr. Auffallend sind die gleichmäßigen Abstände zwischen den Gelegen, die bei ziemlich genau 4 Wochen liegen. Man erkennt ferner, daß das kleinere Weibchen (blau dargestellt) im Durchschnitt 2 Eier pro Gelege absetzt, das schwerere Weibchen (rot dargestellt) dagegen im Mittel eher 4, bisher jedoch nie mehr als 6 Eier pro Gelege. Die Legezeit fällt meist in den Zeitraum von Mai bis August.

Die Eiablage erfolgt bei unseren Tieren in regelmäßigen Abständen von jeweils etwa einem Monat. Die folgende Abbildung zeigt den zeitlichen Verlauf für unser ältestes Weibchen : Der schwarze Balken zeigt, wie lange sich der Winterschlaf ins jeweilige Jahr erstreckte (fehlt 1993 und 1994, wo dieses Tier keinen Winterschlaf hielt). Der folgende weiße Balken bezeichnet den Abstand zwischen dem Ende des Winterschlafs und dem ersten Gelege. Die folgenden abwechselnd dunklen und hellen Balken geben die Abstände zwischen den einzelnen Gelegen an. Alle Zahlen geben die Anzahl der Tage an. Das erste Gelege wird relativ konstant jeweils Mitte April abgesetzt, die folgenden Gelege im Abstand von jeweils 22 bis 40 Tagen. Ausnahmen bilden das Jahr 1993, wo das Tier erstmals legte, und 1996, wo das erste Gelege erst im Sommer abgesetzt wurde, was vermutlich an der hohen Gelegezahl im Vorjahr liegt.

Ausbrüten der Eier

Das Ausbrüten der Eier kann mit einfachen Mitteln geschehen. Es ist kein spezielles Brutgerät notwendig, sondern die einzelnen Teile finden sich in der Regel bei jedem Schildkrötenhalter. Wir geben die Eier in eine Kunststoffschale, in der sich Vermiculit befindet, das zuvor gut eingeweicht, dann aber abgegossen wurde. Vermiculit vermag über lange Zeit Feuchtigkeit zu speichern, ohne für Schimmelbildung anfällig zu sein. Die Eier werden gänzlich eingegraben.

Das Brutbecken ist bei uns nicht aufwendig gestaltet, und wir verwenden auch keine "Kunstglucke" oder andere Brutapparate. Statt dessen besteht unser Brutbecken aus einem handelsüblichen kleinen Aquarium (z.B. 20 x 30 x 30 cm³), in dem ein Wasserstand von einigen cm eingestellt wird. Die Kunststoffschalen mit dem Vermiculit und den Eiern sollen hierin gerade schwimmen und werden durch untergelegte Gegenstände (z.B. einige Saugnäpfe) fixiert. Das Aquarium wird mit einer Glasscheibe fast vollständig abgedeckt, so daß sich eine hohe Luftfeuchte einstellen kann. Unter das Becken kommt eine Heizmatte (6 bis 10 W sind ausreichend). Im Wasser stellt sich so eine Temperatur von 25 bis 30 °C ein, die auch schnell das Vermiculit und die Eier annehmen. Das Wasser verdunstet fast nicht und führt auch über Wochen nicht zu Schimmelbildung. Das Vermiculit trocknet durch die hohe Luftfeuchte nicht aus. So können wir in kleinen Brutbecken dieser Art ohne jeden Aufwand jeweils bis zu etwa 15 Eiern ausbrüten. Die einfache Konstruktion hat zudem den großen Vorteil, daß sie einfach und gründlich zu reinigen ist. Einen Thermostat halten wir für überflüssig, da dies nicht mit den natürlichen Gegebenheiten übereinstimmt. Durch eine Schaltuhr, die die Heizmatte steuert, kann leicht auch Nachtabsenkung eingestellt werden.

Diese Grafik zeigt die jeweilige Anzahl von Eier in Abhängigkeit der zugehörigen Brutdauern. Man erkennt, daß bei den von uns gewählten Bruttemperaturen die häufigste Brutdauer im Bereich von ca. 76 bis 88 Tagen liegt. Interessant ist daneben auch die separate Auftragung für die weiblichen und männlichen Nachzuchten: Die Entwicklung zu Weibchen ist eindeutig mit kürzeren Brutzeiten und damit im Mittel höheren Bruttemperaturen verknüpft, die Entwicklung zu Männchen umgekehrt mit längeren Brutzeiten und niedrigeren Temperaturen. Das Geschlecht läßt sich allerdings erst frühestens nach einem Jahr bestimmen, so daß wir das Geschlecht nicht für allen Nachzuchten angeben können.

Der Schlupf

Nach einer Brutdauer von etwa 70 bis 75 Tagen schauen wir häufiger nach dem Entwicklungsstand der Eier. Zeigen sich die ersten größeren Risse, wird das Ei nicht mehr vollständig eingegraben, sondern nur locker oben auf das Vermiculit gelegt, um den bevorstehenden Schlupf zu erleichtern und den Entwicklungsstand besser beobachten zu können. Nach unserer Beobachtung öffnet der Schlüpfling die Eischale zuerst mit den Vorderbeinen, nicht mit der Schnauze.

Der Schlupf, gerechnet vom ersten Loch in der Schale, dauert meist ein bis zwei Tage. Der Schlüpfling gräbt sich entweder im Vermiculit ein oder klettert über den Rand der Kunststoffschale ins Wasser. Dies ist ein weiterer Vorteil dieses einfachen Brutapparates: Der Schlüpfling kann direkt in seichtes Wasser gelangen und dort die ersten Lebensstunden verbringen. Zur weiteren Aufzucht werden die Schlüpflinge nun dem Brutbecken entnommen und in ein kleines Becken mit sehr niedrigem Wasserstand gesetzt.

Pflege der Schlüpflinge, Becken

Wir setzen unsere Schlüpflinge erst mit anderen Tieren zusammen, wenn ihr Dottersack (nahezu) vollständig zurückgebildet ist. Die Schlüpflinge werden in kleinen Aquarienbecken von ca. 20 x 30 cm mit einem anfänglichem Wasserstand von ca. 1 bis 2 cm gehalten. Der Wasserwechsel erfolgt täglich, die Schildkröten und die Beckenausstattung wird dazu entnommen.

Nach wenigen Tagen wird der anfänglich sehr niedrige Wasserstand schrittweise erhöht, so daß die Tiere zum Luftholen meistens schwimmen müssen. Dies hat dazu geführt, daß sich unsere Tiere zu guten Schwimmern entwickelt haben. In der Größe angepaßte Steine dienen als Sitzmöglichkeit knapp unter Wasser, da Jungtiere das Wasser nicht verlassen. Kleine halbierte Blumentöpfe aus Ton bilden schnell herstellbare, leicht zu säubernde und hygienische Unterschlupfe.

Es ist darauf zu achten, daß die Schlüpflinge sich nirgendwo einklemmen oder verhaken können. Deshalb plazieren wir alle Sitzsteine, Unterschlupfe, Thermometer usw. mit ausreichendem Abstand voneinander und zum Beckenrand. Wasserpflanzen, Fische oder andere, größere Schildkröten halten wir für die Becken von Schlüpflingen für ungeeignet.

Im Alter von wenigen Wochen setzen wir die Schlüpflinge in größere Aquarien (60 x 30 cm) um. Der Wasserstand beträgt dann ca. 15 cm.

Fütterung der Schlüpflinge

Zur Fütterung der Schlüpflinge verwenden wir rote Mückenlarven (aufgetautes Tiefkühlfutter) oder, wenn aus unserem Gartenteich verfügbar, lebende Mückenlarven oder Wasserflöhe. Die Tiere reagieren sehr gut auf sich bewegendes Futter, jedoch werden auch Mückenlarven recht bald gefressen. Wir hatten bisher noch kein Tier, das die Futteraufnahme gänzlich verweigert hätte.


Startseite / Home Letztes Update dieser Seite: 08.03.2004 - © Stefan Thierfeldt, Jülich, Germany