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Winterschlaf
bei Schildkröten
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Winterschlaf - Behälter
- Einleitung und Beendigung des Winterschlafs -
- Winterschlaf im Kühlschrank -
Gewichtsentwicklung - Winterruhe für Jungtiere
Aufgrund der zahlreichen Anfragen, die wir in letzter Zeit zum Thema Winterschlaf
erhalten haben, stellen wir auf dieser Seite unsere Erfahrungen hierzu
zusammen.
Wir führen nur unsere adulten und semi-adulten Tiere in den kalten Winterschlaf.
Bei den Jungtieren reduzieren wir lediglich die Temperatur und die Futtermenge
für einige Wochen bzw. Monate. In den letzten Wochen und Tagen vor
dem Beginn des Winterschlafs schalten wir die Heizung in den Becken vollständig
ab nud reduzieren die Fütterung. Vor dem Überführen der
Tiere aus dem Becken in die Behältnisse für den Winterschlaf
werden die Tiere gewogen und vermessen. Wir achten bei allen Tieren auf
normales Verhalten und auf die Freiheit von Krankheitsanzeichen, eine Wurmkur
führen wir allerdings nicht durch.
Zur Überwinterung unserer Schildkröten verwenden wir Behälter,
die wir zu etwa 2/3 (etwa 15 bis 20 cm hoch, so dass die Tiere
sich gut eingraben können) mit einer Mischung aus relativ feinem
Rindenmulch und Erde füllen. Auf ausreichende Feuchtigkeit ist zu
achten, damit die Tiere nicht austrocknen. Die Behälter sind gut verschließbar,
wobei wir ein mit Fliegendraht verschlossenes Luftloch im Deckel von etwa
5 cm Durchmesser vorgesehen haben. Als Behälter kommen z.B. 5 bis
10 l-Eimer mit Deckel, Haushaltsboxen mit Deckel usw. in Frage. Die Behälter
müssen ausbruchsicher sein!
Die folgenden Beispiele zeigen Behälter mit Luftlöchern, Verschluss größerer Öffnungen
mit Gaze und andere Details, die für eine erfolgreiche Überwinterung notwendig sind.
Die Tiere werden im November oder Dezember in die Behälter gesetzt
und über 1 bis 3 Tage an die tieferen Temperaturen gewöhnt. Meistens
haben sie sich derweil bereits vergraben. Zuletzt werden die Behälter
in Kellerregale gestellt. Die Temperatur in unserem hierfür verwendeten
Kellerraum schwankt zwischen 6 bis 7°C bei starker Kälte bis zu
12 bis 14°C in wärmeren Perioden und ist recht stabil. Kontrollen
der Tiere führen wir alle 2 bis 3 Wochen durch (Wiegen der Tiere,
Anfeuchten des Substrats usw.).
Wir wiegen die Tiere vor dem Winterschlaf und schauen Haut und Panzer
auf Verletzungen und Nekrosen an. Würden wir solche
finden, würden wir sie erst ausheilen lassen. Eine Wurmkur wird
von manchen Züchtern empfohlen, unsere Tiere halten wir aber für
wurmfrei und haben deshalb bisher nie eine Wurmkur vor dem Winterschlaf
durchgeführt.
Verhalten während des Winterschlafs
Winterschlaf erfordert regelmäßige Kontrolle, wenn man nicht
riskieren will, dass die Tiere nicht mehr aufwachen! Wie die folgenden
Tabellen zeigen, kontrollieren wir die Tiere etwa alle 2 Wochen. Dabei
kann es durchaus vorkommen, dass die Tiere nicht eingegraben sind,
sondern oben auf dem Substrat sitzen, evtl. sogar nicht schlafen. Diese
kurzen Wachphasen können z.B. mit einer Temperaturerhöhung zusammenhängen
und sind zunächst ganz normal. Wir schließen dann die Behälter
einfach wieder, schauen aber einige Tage später nochmals nach. Wenn
ein Tier lange nicht schlafen will und sich nicht eingräbt, sollte
man nach den Ursachen schauen. Es kann sein, dass ihm das Substrat
unangenehm ist (zu trocken, zu hart usw.) oder dass eine Krankheit
vorliegt. Hilft auch ein Wechsel des Substrats (z.B. wirklich weicher Rindenmulch
mit mäßig feuchter Erde gemischt, s.o.) nichts, sollte man dann
evtl. den Winterschlaf vorsichtshalber ab- oder unterbrechen und die Ursachen
für das Verhalten des Tieres feststellen.
Gewichtsentwicklung während des Winterschlafs
Alle Überwinterungen sind bisher problemlos verlaufen. Zum Teil ist
kein oder nur ein vernachlässigbarer Gewichtsverlust aufgetreten,
in einigen Fällen haben die Tiere weniger als 10 % ihres Körpergewichts
(zu Beginn des Winterschlafs) verloren. Die Tiere kamen immer sofort wieder
mit dem normalen Wasserstand zurecht, haben innerhalb weniger Tage wieder
Futter angenommen und waren lebhaft.
Die folgende Tabelle zeigt exemplarisch den Gewichtsverlauf für 3 Tiere im Winter (1997/98).
Die Beoabachtungen der folgenden Winter sind ganz ähnlich. Die Messungen zeigen
keine Gewichtsabnahme, sondern beim Weibchen von Sternotherus odoratus
sogar eine deutliche Zunahme, die oberhalb der Messtoleranz liegt, also real ist.
Dies führen wir auf die Aufnahme von Feuchtigkeit aus dem Substrat über die Haut zurück.
| Datum |
0,1 Sternotherus odoratus |
0,1 Chinemys reevesii |
1,0 Chinemys reevesii |
| 23.11.1997 |
218 g |
254 g |
184 g |
| 07.12.1997 |
218 g |
252 g |
nicht gewogen |
| 14.12.1997 |
220 g |
254 g |
182 g |
| 26.12.1997 |
220 g |
256 g |
182 g |
| 10.01.1998 |
220 g |
258 g |
182 g |
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21.01.1998
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224 g
|
256 g
|
182 g
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06.02.1998
|
224 g
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260 g
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186 g
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01.03.1998
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228 g
|
260 g
|
186 g
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14.03.1998
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230 g
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258 g
Winterschlaf beendet
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186 g
Winterschlaf beendet
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22.03.1998
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232 g
Winterschlaf beendet
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Für dieselben Tiere belegt die Gewichtstabelle des Winters
1996/97 (folgende Tabelle), dass das Sternotherus-Weibchen und das
Chinemys-Männchen während des gesamten Zeitraums nahezu keine
Gewichtsabnahme zeigten. Das Chinemys-Weibchen verlor dagegen in den ersten
zwei Wochen fast 10% ihres Gewichts, blieb dann jedoch stabil.
| Datum |
0,1 Sternotherus odoratus |
0,1 Chinemys reevesii |
1,0 Chinemys reevesii |
| 24.11.1996 |
222 g |
240 g |
176 g |
| 08.12.1996 |
nicht gewogen |
224 g |
170 g |
| 25.12.1996 |
222 g |
224 g |
172 g |
| 24.01.1997 |
220 g |
228 g |
174 g |
| 16.02.1997 |
nicht gewogen |
228 g |
nicht gewogen |
Beendigung des Winterschlafs
Beim Beenden des Winterschlafs im Februar oder März stellen wir die
Behälter schrittweise wärmer. Dies gelingt z.B. auf unserer Kellertreppe
durch höhersetzen um einige Stufen über einen Zeitraum von vielleicht
2 Tagen. Wenn die Tiere zuletzt ungefähr auf Raumtemperatur aufgewärmt
sind, sollten sie sich von selbst ausgegraben haben.
Winterschlaf im Kühlschrank
Wir überwintern einige unserer Tiere seit einigen Jahren in einem Kuehlschrank, der während der
Winterzeit ausschließlich diesem Zweck dient (und im Sommer Getränke u.a. kühlt). Das folgende Bild
zeigt die Überwinterungsbehälter im Kühlschrank. Wir haben unsere Erfahrungen hierzu in einem
eigenen Artikel zusammengefasst.
Winterruhe für die Jungtiere
Wie angesprochen, setzen wir nur die adulten Tiere in den Winterschlaf,
bei den Jungtieren führen wir nur eine Winterruhe durch.
Wir senken hierzu lediglich die Temperatur ab, indem wir die Heizung
der Becken ausschalten und das Wasser auf Raumtemperatur abkühlen
lassen. Die Beleuchtungsdauer reduzieren wir ebenfalls. In diesem Zustand
füttern wir nur noch sehr wenig und haben die Fütterung sogar
für ein bis zwei Wochen gänzlich eingestellt.
Letztes Update dieser Seite: 08.03.2004 - © Stefan
Thierfeldt, Jülich, Germany